Der letzte Beweis fehlt

Polizistinnenmord von Heilbronn: Die Polizei hat in Zwickau Feuerwaffen gefunden. Die Verdächtige Beate Z. sitzt nun in Untersuchungshaft - und schweigt

10. November 2011

Der Polizistinnenmord von Heilbronn, reihenweise Banküberfälle und die Sprengung eines Doppelhauses in Zwickau – eine ganze Serie von Verbrechen geht offenbar auf das Konto
eines kriminellen Trios, das aus der rechtsextremen Szene stammte. Eine 36-Jährige sitzt
nun in Untersuchungshaft in Zwickau, zwei Männer waren bereits am Freitag tot in Eisenach
aufgefunden worden.

Um über den verworrenen Kriminalfall zu berichten, hatten Polizei und Staatsanwaltschaft in
Zwickau zur Pressekonferenz gerufen. Die Erwartungen der Öffentlichkeit waren groß, doch
viele Fragen ließen die Ermittler weiter offen. Fest steht aber: Die 36-jährige Beate Z., die mit
internationalem Haftbefehl gesucht worden war, stellte sich am Dienstag der Polizei in Jena.
Zu den Vorwürfen äußerte sie sich in den bisherigen Vernehmungen jedoch nicht, sagte
Oberstaatsanwalt Uwe Wiegner. Allerdings sei vor der Festnahme auf dem Revier in Jena
ein Satz mit dem Tenor gefallen: “Ich bin die, die sie suchen”.

Ermittelt wird gegen die Frau zunächst allerdings nur wegen schwerer Brandstiftung. Beate
Z. soll am Freitagnachmittag das Wohnhaus in der Zwickauer Frühlingsstraße 26 in die Luft
gesprengt haben, in dem sie in den Jahren zuvor mit den beiden tot aufgefundenen Männern
gelebt hatte. In der Wohnung wurde unter anderem ein Arsenal von sechs Faustfeuerwaffen
und ein Gewehr gefunden. Darunter soll auch eine vom Balkan stammende Waffe sein, mit
der der erst 22-jährigen Heilbronner Polizistin Michele K. im April 2007 auf einer Heilbronner
Festwiese in den Kopf geschossen worden war. Sie stammte selbst aus Thüringen, ein
weiterer Kollege wurde schwer verletzt.

Außerdem seien in der Zwickauer Wohnung Reizgas und Handschellen gefunden worden,
die ihr gehörten, sagte der Leiter der Polizeidirektion Südwestsachsen Georgie. Das Trio sei
den Behörden bisher aber nicht aufgefallen.
Doch die beiden Mitbewohner Uwe M., 38 Jahre und Uwe B., 34 Jahre, sollen am
Freitagmorgen in Eisenach noch eine Bank überfallen haben. Dann sollen sie erst mit dem
Rad und später mit dem geliehenen Wohnmobil geflüchtet sein. Als ihnen die Polizei nach
einem Zeugenhinweis gegen 12 Uhr auf die Spur kam, sollen sie sich erschossen haben.
Kurz darauf ging das Wohnmobil in Flammen auf. Darin wurden die Dienstwaffen der beiden
Heilbronner Polizeibeamten gefunden.

Nähere Angaben über die Lebensumstände der Beschuldigten machten die Ermittler nicht.
Als gesichert gilt: Mitte der 90er-Jahre hatten sich die aus Jena stammenden mutmaßlichen
Täter der militanten Neonazi-Szene angeschlossen. Sie sollen der rechtsextremen
Vereinigung “Thüringer Heimatschutz” angehört haben, die nach Informationen der Linken in
Sachsen vom Verfassungsschutz infiltriert war. In einer Bombenwerkstatt, die Ende der 90er-
Jahre ausgehoben wurde, stellten sie Rohrbomben her. Auch sollen sie nach Informationen
der Linken in Sachsen einen Sprengsatz in einem Koffer mit Hakenkreuz vor den Jenaer
Theater deponiert haben.

Danach tauchten sie unter. In den letzten Jahren sollen sie unauffällig und unter falschen
Namen im Doppelhaus in Zwickau gelebt haben. Kontakte zur rechten Szene habe es nicht
mehr gegeben, sagte der Thüringer Innenminister Jörg Geibert (CDU). In der Wohnung sei
bisher auch kein rechtsextremistisches Propagandamaterial gefunden worden, sagte Georgie.

Allerdings vermutet die Polizei, dass sie mindestens ein Dutzend Banküberfälle von Anklam
bis Zwickau begangen haben. In der Zwickauer Wohnung seien Kleidungsstücke wie
Basecaps, Mundtücher und Parkas gefunden worden, die mit Bildern von den
Überwachungskameras der Banken übereinstimmten.

Die Sicherung der Beweise in der Zwickauer Wohnung könne noch Tage oder Wochen
dauern, da sie durch den Brand und das Löschwasser schwer beschädigt wurden, sagte
Georgi. Mit den Kollegen in Heilbronn und Thüringen gebe es zwar einen
Informationsaustausch, aber bisher keine gemeinsame Ermittlungsgruppe. So verweisen die
Behörden bei weiteren Nachfragen auf die jeweils andere Dienststelle.

Der letzte Beweis fehlt

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