„Man wird demütig"

Wenn Ehepaare auseinanderdriften, versucht Familienrichter Norbert Schwarzer, den Streit zu moderieren. Doch wenn die Eltern auf Konfrontationskurs bleiben, muss er auch mal harte Entscheidungen treffen – bis hin zur Zwangshaft. Denn im Gesetz steht das Wohl des Kindes an erster Stelle. Nicht immer gelingt das.

Im Saal 221 des Amtsgerichts Eilenburg bei Leipzig herrscht dicke Luft. Ein früheres Liebespaar sitzt sich feindselig gegenüber. Begleitet von ihren Anwälten und jederzeit bereit, dem anderen eins auszuwischen, streiten sie wie Kleinkinder im Sandkasten um ihre gemeinsame Tochter. Ein leiblicher Vater, der vielleicht nicht hundertprozentig zuverlässig ist, aber unbedingt sein Kind sehen will. Und eine Mutter, die das mit allen Tricks zu verhindern sucht, auch wenn sie kalt lächelnd das Gegenteil behauptet. Zwei erwachsene Menschen, Ende 30, zanken um verpasste Umgangstermine, angeblich nicht geschriebene Kurznachrichten und mutmaßlich nicht beantwortete Anrufe.

 Alltag vor einem deutschen Familiengericht. Weit über 600 000 neue Verfahren sind es deutschlandweit im Jahr, Tendenz steigend. Meist geht es um hässliche Streitigkeiten um Unterhalt, Vaterschaft und Adoptionen, Gewaltschutz und Stalking. „Die Fälle sind selten schön“, sagt Richter Norbert Schwarzer, der seit 15 Jahren dennoch mit Leidenschaft Familienkonflikte löst.